
Schwitzen ist lebenswichtig. Trotzdem empfinden viele Menschen es als unangenehm – sei es bei Hitze, Sport, Nervosität oder ganz ohne ersichtlichen Grund. Besonders starkes Schwitzen kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Unsicherheit im Alltag führen.
Doch warum schwitzen wir überhaupt? Weshalb schwitzen manche Menschen deutlich mehr als andere? Und was hilft wirklich gegen starkes Schwitzen? In diesem Beitrag gibt Dr. med. Martin Kägi, Leitender Arzt am Hautzentrum Zürich, fundierte Einblicke in das Thema Schwitzen und zeigt auf, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen, wenn die Schweissproduktion über das notwendige Mass hinausgeht und den Alltag beeinträchtigt.
Warum schwitzen wir?
Die wichtigste Aufgabe des Schwitzens ist die Regulierung der Körpertemperatur. Steigt unsere Körpertemperatur – etwa durch Bewegung, hohe Aussentemperaturen oder Fieber – produzieren die Schweissdrüsen Flüssigkeit. Verdunstet diese auf der Haut, wird Wärme abgegeben und der Körper gekühlt.
Ein Erwachsener besitzt rund zwei bis vier Millionen Schweissdrüsen. Die meisten davon sind sogenannte ekkrine Schweissdrüsen, die nahezu über den gesamten Körper verteilt sind und für die Temperaturregulation verantwortlich sind.
Daneben gibt es apokrine Schweissdrüsen, die vor allem in den Achselhöhlen und im Genitalbereich vorkommen. Sie werden durch Hormone und Emotionen beeinflusst und spielen eine Rolle beim individuellen Körpergeruch.
Warum schwitzen manche Menschen mehr als andere?
Wie stark jemand schwitzt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einfluss haben unter anderem:
- genetische Veranlagung
- Körpergewicht
- Fitness
- Umgebungstemperatur
- Kleidung
- Hormone
- Medikamente
- Stress und Emotionen
Ein Teil dieser Unterschiede ist völlig normal. Schwitzen ist nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Fitness oder schlechter Gesundheit.
Schwitzen Männer mehr als Frauen?
Ja – im Durchschnitt schwitzen Männer tatsächlich stärker als Frauen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Männer besitzen meist mehr Muskelmasse und produzieren dadurch bei körperlicher Belastung mehr Wärme. Zudem reagieren ihre Schweissdrüsen häufig früher und intensiver auf steigende Körpertemperaturen.
Frauen beginnen oft etwas später zu schwitzen, regulieren ihre Körpertemperatur dafür aber stärker über eine verbesserte Durchblutung der Haut. Natürlich gibt es grosse individuelle Unterschiede – manche Frauen schwitzen deutlich mehr als viele Männer.
Warum schwitzen Frauen in den Wechseljahren?
Viele Frauen erleben während der Wechseljahre plötzlich starke Hitzewallungen und Schweissausbrüche – oft auch nachts. Der Grund liegt in den hormonellen Veränderungen. Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen das Temperaturzentrum im Gehirn. Bereits kleine Schwankungen der Körpertemperatur werden dann als Überhitzung interpretiert, worauf der Körper mit starkem Schwitzen reagiert. Diese Hitzewallungen können mehrmals täglich auftreten und den Schlaf erheblich beeinträchtigen.
Angstschweiss – warum Emotionen Schweiss auslösen
Jeder kennt es: Vor einer Prüfung, einem wichtigen Gespräch oder einem Vortrag werden plötzlich die Hände feucht oder die Achseln nass. Dieser sogenannte Angstschweiss entsteht nicht durch Wärme, sondern durch Stress. Das vegetative Nervensystem schüttet Adrenalin aus und aktiviert insbesondere die Schweissdrüsen an Händen, Füssen und in den Achselhöhlen. Da dieser Schweiss mehr Eiweisse und Fette enthält als gewöhnlicher Schweiss, kann er nach dem Kontakt mit Hautbakterien stärker riechen.
Kann man trainieren, weniger zu schwitzen?
Nicht direkt. Regelmässiges Ausdauertraining macht den Körper zwar effizienter bei der Temperaturregulation. Trainierte Menschen beginnen jedoch häufig früher zu schwitzen, weil ihr Körper schneller abgekühlt wird. Dadurch empfinden viele Sportler das Schwitzen als angenehmer und vertragen Hitze besser. Die Schweissmenge wird dadurch jedoch nicht grundsätzlich geringer.
Wann spricht man von krankhaftem Schwitzen?
Wenn Menschen ohne Hitze oder körperliche Belastung übermässig schwitzen, kann eine sogenannte Hyperhidrose vorliegen.
Typische Anzeichen sind:
- nasse Hände
- starkes Achselschwitze
- Schweissflecken trotz Ruhe
- häufiges Wechseln der Kleidung
- Vermeidung sozialer Situationen
Man unterscheidet zwischen einer primären Hyperhidrose, die meist genetisch bedingt ist, und einer sekundären Hyperhidrose, die beispielsweise durch Medikamente oder Erkrankungen verursacht wird.
Was hilft gegen starkes Schwitzen?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad.
- Aluminiumhaltige Antitranspirantien: Sie verringern die Schweissproduktion, indem sie die Ausführungsgänge der Schweissdrüsen vorübergehend verengen. Sie wirken am besten, wenn sie abends auf trockene Haut aufgetragen werden.
- Botulinumtoxin: Bei starkem Achselschwitzen kann Botulinumtoxin die Nervenimpulse zu den Schweissdrüsen blockieren. Die Wirkung hält meist vier bis neun Monate an und zählt zu den wirksamsten Behandlungsmöglichkeiten. Auch Hände und Füsse können behandelt werden.
- Leitungswasser-Iontophorese: Vor allem bei starkem Schwitzen an Händen und Füssen kann diese Therapie helfen. Dabei werden schwache elektrische Ströme über Wasserbäder auf die Haut übertragen.
- Medikamente: In bestimmten Fällen können Medikamente eingesetzt werden, die die Aktivität der Schweissdrüsen reduzieren. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen eignen sie sich jedoch nicht für alle Betroffenen.
- Operative Verfahren: Nur in seltenen Fällen kommen chirurgische Behandlungen infrage, wenn andere Therapien keinen Erfolg bringen.
Was können Sie selbst tun?
Zusätzlich zur medizinischen Behandlung helfen oft einfache Massnahmen:
- leichte, atmungsaktive Kleidung tragen
- scharfe Gewürze und Alkohol reduzieren
- ausreichend trinken
- Übergewicht abbauen
- Stress gezielt reduzieren
- Antitranspirantien richtig anwenden
Fazit
Schwitzen ist ein lebenswichtiger Schutzmechanismus unseres Körpers. Wie stark wir schwitzen, hängt von vielen Faktoren wie Genetik, Hormonen, Geschlecht, Fitness und Emotionen ab.
Wenn Schwitzen jedoch den Alltag belastet oder ohne erkennbare Ursache auftritt, sollte dies dermatologisch abgeklärt werden. Heute stehen verschiedene wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung – von speziellen Antitranspirantien bis hin zur Botulinumtoxin-Therapie.
Wer unter starkem Schwitzen leidet, muss sich damit nicht abfinden. Eine individuelle Beratung kann helfen, die passende Behandlung zu finden und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
Leiden Sie unter starkem Schwitzen? Im Hautzentrum Zürich klären wir die Ursache ab und besprechen mit Ihnen die individuell passende Behandlung.
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